Teambuilding, Teamentwicklung oder Ringelpiez im Grünen? Was wann hilft und worauf man achten sollte.

Kennt man ja: Zwei teams werden zusammengelegt, arbeiten jetzt nicht mehr an zwei Standorten, sondern an einem. Da man logischerweise nur noch einen Teamleiter braucht, wird Martin nun auch Teil des Teams von Birgit, die er bis dahin hart bekämpft hat. Die Umstrukturierung sei aber kein Problem, meint der bis dato gemeinsame Vorgesetzte von beiden – Martin habe ihm versichert, dass ihm das nichts ausmache und er Birgit nach Kräften unterstützen wolle. Nach ein paar Wochen treten überraschend einige Ungereimtheiten auf: Das ehemalige Team von Martin behält wichtige Informationen für sich, die der Rest des Teams dringend braucht. Dadurch gerät der gesamte Arbeitsprozess ins Stocken. Hinzu kommt, dass Caro und Michaela, für die die tägliche Fahrt zur Arbeit jetzt anderthalb Stunden länger dauert, neuerdings oft krank sind. Und Bernd hat neulich zum ersten Mal im Meeting geschrien. Birgit, der das allmählich auffällt, lässt sich daraufhin etwas einfallen: Ein Team-Tag muss her! Damit alle mal aufeinander eingeschworen werden! Da viel zu tun ist, konnte sie mit einigem Planungsaufwand an einem Freitag einen Zeitkorridor von 11 bis 16 Uhr freimachen und nun geht es los: Alle bauen ein gemeinsames Floß an der Wupper…

Ich lasse mal offen, wie es weiter ging, aber eines ist klar: Der Floßbau allein hat es nicht rausgerissen…

Teamevent, Teambuiding, Teamentwicklung – was ist eigentlich was?

Was die Birgit aus dem obigen Beispiel mit ihrem Floßbau angestoßen hat, war ein Team-Event – nicht zu verwechseln mit einer Teambuilding-Maßnahme oder einer Teamentwicklung. Dazu eine kleine Begriffs-Aufdröselung:

  • Teamevent: Hier werden die Teammitglieder bewusst in einen anderen Kontext versetzt, außerhalb des Arbeitsalltags. Es geht primär ums Kennenlernen, um gemeinsame Erlebnisse, die im besten Fall eine gute Basis für spätere Erzählungen und die spätere Zusammenarbeit bilden. Hier kann das Team Dinge tun, die Vertrauen aufbauen und einander zusammenschweißen, indem es gemeinsam Emotionen erlebt – und das gerne auch mit viel Spaß. Wer sich gemeinsam kaputtgelacht hat, arbeitet oft auch entspannter zusammen: Die Gruppenkohäsion steigt (sofern das Teamevent nicht als Wettbewerb anlegt).
    Das Team muss dabei nicht zwingend neu zusammengesetzt sein – oft lernen sich Teams auch nach einiger Zeit der Zusammenarbeit beim Teamevent neu oder anders kennen, nach dem Motto „So kannte ich die Meier ja noch gar nicht!“.
    Die Kernfrage im Teamevent lautet: Wer sind wir eigentlich?
  • Teambuilding: Eine Teambuilding-Maßnahme findet statt, wenn das Team gerade frisch zusammengestellt wird oder wurde. Das ist übrigens auch dann der Fall, wenn nur ein Teammitglied neu hinzukommt – das Team durchläuft nämlich die Phasen der Teamentwicklung dann in der Regel noch einmal von vorne.
    In einer Teambuilding-Maßnahme geht es primär um die Arbeit an Spielregeln für die erfolgreiche Zusammenarbeit.
    Die Kernfrage ist: Wie wollen wir miteinander arbeiten?

  • Teamentwicklung: Wenn das Team schon einige Zeit besteht und es bereits erste Konflikte gegeben hat (die nicht aus eigener Kraft aus der Welt geschafft werden konnten), ist es Zeit für eine begleitende Teamentwicklung. Im Fokus steht dabei das Reflektieren über die Zusammenarbeit und alles, was diese fördert: Von geklärten Rollen und Verantwortlichkeiten über transparente Abläufe bis zum wertschätzenden Abgleich der Selbst- und Fremdbilder aller beteiligten Persönlichkeiten. Dieser Prozess kann zum Beispiel in einem Workshop angestoßen oder in einem Teamcoaching mit mehreren Sitzungen bearbeitet werden.
    Die Kernfrage ist: Wie nehmen wir uns gegenseitig wahr, was schätzen wir aneinander & was muss sich ändern?

Diese drei Begriffe sind allerdings nicht trennscharf zu sehen – an eine Teambuilding-Maßnahme wird beispielsweise oft ein Team-Event gekoppelt. Wichtig ist allerdings, dass das Team-Event nicht für die eigentliche Teambuilding- oder gar Teamentwicklungs-Maßnahme gehalten wird, denn ein abwechslungsreicher Tag im Hochseilgarten ist noch kein Garant für tragfähige Spielregeln im Arbeitsalltag. Schon gar nicht, wenn bereits erste Konflikte aufgetreten sind.

Fallstricke beim Teambuilding

A propos Spielregeln: Oft genügt es nicht, einfach welche zu vereinbaren – auch nicht, wenn sie anschließend feierlich von allen Anwesenden mit Blut unterschrieben werden. Ob die Spielregeln später mehr sind als nur ein nettes Lippenbekenntnis, hängt stark von der Unternehmenskultur ab: Gibt es eine Kultur, in der im Falle eines Falles konfrontiert werden kann, wenn Spielregeln nicht eingehalten werden? Auch wenn es der eigene Chef ist? Nein? Dann läuft es Gefahr, zu einem Running Gag zu werden…

Ein weiterer Fallstrick lauert in der Verbindung von Teamevent und Teambuilding, nämlich dann, wenn außerbetriebliche Erfahrungen in den Arbeitskontext übertragen werden sollen. In vielen Teamevents klingt das dann ungefähr so: „So, wir halten alle mal kurz inne. Was war das gerade für eine Situation, als der Lars hier mit verbundenen Augen… genau… Vertrauen ist die Basis! Auch im Alltag!“ So manch einer fragt sich dann zu Recht, ob es nicht ausgereicht hätte, eine Folge „Unsere kleine Farm“ zu gucken. Es ist ein großer Unterschied, ob man schlicht einen Tag voller Metaphern verbringt oder ob beispielsweise mit viel Fingerspitzengefühl herausgearbeit wird, wie man/jemand unter Stress reagiert und wie sich das auf den Arbeitskontext auswirken könnte.

Bevor Sie loslegen: Arbeitet Ihr Team schon zentripetal?

Zentri…was? In einem Team gibt es in der Regel sowohl zentrifugale als auch zentripetale Kräfte. „Zentrifugal“ meint, wie bei der Zentrifuge eben, das Auseinanderstreben von der Mitte nach außen. In Bezug auf die Teamstruktur ist das zum Beispiel bei auseinanderklaffenden Zielen der Fall: Die bestmögliche Einzelleistung wird belohnt oder auch das „besser sein als die Kollegen“. Letzteres ist beispielsweise in Vertriebsteams oft der Fall, gerade wenn die Umsatzzahlen sich in internen Benchmarkings wiederfinden.

„Zentripetal“ bedeutet im Gegenzug: Die Teammitglieder haben ein gemeinsames Ziel und sind zu dessen Erreichung voneinander abhängig. Auf dieser Basis lässt sich leichter mit Teamentwicklungs-Maßnahmen aufbauen, als wenn zentripetale Kräfte gänzlich fehlen.

Das heißt jedoch nicht, dass in klassischen Vertriebsteams keine Teambuilding-Aktionen möglich wären. Nur sollte man sich vorher überlegen, wo es ein gemeinsames Ziel oder ein gemeinsames Leistungsbewusstsein gibt oder dies vorher installieren. Andernfalls fehlt den Teammitgliedern oft die nötige Orientierung, wenn sie das Erlebte in den Alltag übertragen sollen.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Haben Sie schon Teambuilding- oder Teamentwicklungsmaßnahmen miterlebt? Oder Team-Events? Wenn ja, was hat Ihnen am meisten gebracht? Ich freue mich über Kommentare!

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2 Comments

  • Reply
    Lorenz Lauer
    4. April 2017 at 15:52

    Eine weitere Möglichkeit, ein besonders effektives Team-Building durchzuführen, ist ein soziales Teamevent. Der Mehrwert entsteht durch die Kombination des Teambuilding-Einsatzes mit einem sozialen Engagement. Mitarbeiter renovieren gemeinsam in einer Kindereinrichtung, helfen einer Organisation für beeinträchtigte Menschen oder sorgen im Seniorenheim für Abwechslung. Das gemeinsame Tun schweißt nachweislich zusammen und bekommt durch den gesellschaftlichen Hintergrund eine zusätzliche Wirkung.

    • Reply
      Dagmar Dörner
      4. April 2017 at 21:42

      Danke für diesen Impuls! Aber auch ein solches Teamevent hilft nur, wenn es sorgsam auf den ursprünglichen Zweck ausgerichtet wird – und falls nicht, gibt es hier in der Tat „wenigstens“ einen höheren Sinn. ;o)

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